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Balneário Camboriú

Am Vorabend von Tag 7 verlassen wir per Inlandsflug Rio de Janeiro und reisen gen Süden ins ca. 1000 Kilometer entfernte Itajaí (im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina), dort beziehen wir unser Quartier für die nächsten 5 Nächte.

Itajaí ist für uns der ideale Ausgangspunkt um mehrere umliegende Fluggebiete zu erreichen. Das Highlight (und der eigentliche Grund warum ich die Brasilienreise überhaupt unternommen habe) ist das 11 km entfernte Balneário Camboriú mit seinen ca. 1.900 Hochhäusern, dazu aber später mehr…

Unser erstes Flugabenteuer im sonnigen Süden beginnt bei schlappen 34°C (und steigend…) am Careca - Praia Brava, einem NO-Hügel mit gut 80 m Höhenunterschied. Die einzige Landemöglichkeit ist der gegenüber liegende Strand von Itajaí und der ist ohne Aufsoaren auf Startüberhöhung selbst für meinen 2er Mentor nicht mehr zu erreichen. Darüber hinaus haben wir Seitenwind, außerdem pfeifft es wie d´ Sau, ich bin leicht verwirrt…! Stefan erklärt uns die notwendigen Kniffe und zeigt uns die ideale Fluglinie, um die Soaringkante auf der gegenüberliegenden Strandseite ohne Absaufen erreichen zu können. Sein brasilianischer Flugguide Xixi spielt den Dummy, startet, soart auf und erreicht ohne Mühe die vom Seewind angeströmte Kante.

„Was soll´s…, bin dieses Jahr ja eh schon mal am Gardasee baden gegangen…“, also rein ins Gurtzeug, Verfolgercam an und per Rückwärtsstart ab in ein neues Fliegerabenteuer... 

Der Start geht gut und mit etwas Hangkratzen erreiche die die notwendige Startüberhöhung!  Was nun folgt sind über 2 Stunden Soaringvergnügen vom Feinsten!!  Der laminare Seewind ist so butterweich, dass ich im Flug ein Buch hätte lesen können. Kein Schütteln, kein Bocken, den Schirm einfach laufen lassen… Aufsoaren auf gute 300m (AMSL), Rummsemmeln bis die Blase drückt, anschließendes Einladen am Strand und ein abschließendes Landebier sind genau die Zutaten, die ich mir für meinen Fliegerurlaub gewünscht hatte! Wir sind alle happy…

Tag 8 führt uns in das 45 km entfernte Fluggebiet San Jose in der Nähe der Ortschaft Guabiruba.  Das Fluggebiet ist noch relativ unbekannt, daher freuen wir uns über die exklusive Möglichkeit dieses neue Fluggebiet befliegen zu dürfen. Mit gut 300 m erlaubt uns der Berg den Einstieg in unser erstes brasilianisches Thermikabenteuer. Die Basis liegt heute auf ca. 1800m, der Weg dorthin ist steinig… es ballert und ist unangenehm turbulent. Während des Aufstiegs lerne ich völlig neue Seiten und Eigenheiten meines Mentors kennen! Der Schirm zickt rumm und nötigt mich immerwährend dazu, das Ding am Einklappen zu hindern… gefällt mir gar nicht!! Auf knapp 1200m habe ich genug von dem Eiertanz und entschließe mich wieder in Richtung Landeplatz zu fliegen. Dennoch ein interessanter Flug, denn neben der Flugerfahrung nehme ich eine neue Gleichung mit aus diesem Erlebnis: Startzeitpunkt 12 Uhr + Mentor 2 = Achterbahn…

Nach diesem Erlebnis fahren wir wieder zurück an die Küste und gehen am Abend erneut am Praia Brava fliegen. Der Wind bläst mit 20 - 35km/h deutlich stärker, wir zögern… trotzdem entschließen sich nach reiflicher Überlegung einige Piloten zu starten. Mein Start glückt besser als erwartet und ich genieße erneut ein Saoringvergnügen vom Allerfeinsten. Soaren und Fliegen bis das Licht aus geht und die Stadt Itajaí zum Leben erwacht! Als die Dämmerung einsetzt sind Christian und ich noch in der Luft und erleben ein Schauspiel, dass mir noch immer Gänsehaut über den Körper treibt… die Stadt taucht ein in ein endloses Lichtermehr… und je dunkler es wird, desto mehr erstrahlt Itajaí. Ich ärgere mich etwas darüber, meine Cam nicht dabei zu haben um dieses Spektakel festzuhalten. Was solls…wir fliegen… und Stadt liegt uns zu Füßen!!! Nach der Landung am mit Flutlicht beleuchteten Sandstrand fühlen wir uns wie die Könige… wir sind überglücklich!

Auf unserem Programm steht unter Anderem ein Besuch der brasilianischen Gleitschirmmanufaktur SOL, warum also nicht Tag 9 dafür nutzen. Wir fahren daher ins ca. 100 km entfernte Jaraguá und werden von Arie, dem Eigentümer, durch seine Gleitschirmfabrik geführt. Für einen Gleitschirmflieger ist es schon spannend, den Herstellungsprozess des bisschen Stoffs an dem sein/ihr Leben hängt kennenzulernen. Der Besuch des Schirmherstellers inklusive Führung ist daher eine runde Sache.

Nach der Führung fahren wir an den Hausberg der Firma Sol. Die gut 700 m Höhenunterschied bescheren uns erneut ein interessantes und spannendes Thermikvergnügen. Bis auf 1400 m geht es und vielleicht noch ein bisschen mehr… wir bemerken jedoch das Aufziehen einer Schlechtwetterfront und entschließen uns daher zur Landung und vorzeitigen Fahrt zurück nach Itajaí.

Tag 10 ist der Tag der Tage… der Wetterbericht prophezeit Ostwindlage und schenkt uns damit die Option auf ein Erlebnis, dass ich mein Leben lang wohl nicht mehr vergessen werde… wir versuchen uns am Befliegen der Hochhäuser von Balneário Camboriú!!!

Balneário Camboriú ist mit knapp 100.000 Einwohnern zwar nicht unbedingt eine Weltstadt, hat mit knapp 1.900 Hochhäusern aber ein ganz besonderes Schmankerl zu bieten. Steht der Wind richtig und der Pilot schafft den ca. 800 m langen Sprung vom 40 (!) m hohen Startplatz bis zur Hochhauskante, dann eröffnet sich dem Piloten der Fliegerhimmel: Soaren über den Hochhäusern von Balneário Camboriú!!! 

7 km Strandküste rauf- und runtersemmeln, 7 km Hochhauskante wollen poliert werden… schon alleine der Gedanke daran lässt mich vor Ehrfurcht erstarren! DAS ist das Erlebnis auf das ich gewartet habe, daher lasse ich mich am Startplatz nicht lange bitten und bin mal wieder einer der Ersten, der sich an dem Abenteuer versuchen möchte.

Es geht los…Rock´n Roll… ich haue  mich raus und tanke über dem Startplatz die ersten Höhenreserven! Dann geht es rüber zum nächsten Hügel um erneut Höhe für den Sprung über das Wasser bis zur Hochhauskante aufzubauen. Mit guter Reserve komme ich an diesem Hügel an und höre über Funk das erhoffte Kommando von Stefan: „Markus, Höhe passt… und ab geht’s…“!

Ich gebe meinem Schirm die Sporen, fliege über das Meer und steuere die ersten Hochhäuser an. Auf halber Höhe der Hochhäuser komme ich an, mein Vario macht sich bemerkbar,… piep piep piep… der Schirm steigt wieder… Bingo, Camboriú du bist mein…!!!

Was die folgenden 2 Stunden nun passiert ist schwer in Worte zu fassen! Der Anblick atemberaubend, die Hochhäuser mit bis zu 150 m schwer beeindruckend, die Küste mit 7 km scheinbar endlos… und ich mittendrinn bzw. obenauf!!! 

Zur Erklärung: Der laminare Seewind prallt an der Hochausfront ab, der dadurch entstehende dynamische Aufwind trägt uns vor der ersten Hochhausreihe bis über die Skyline... Dort ist butterweiches Fliegen möglich! Man darf sich nur nicht hinter das schmale Aufwindband bzw. die ersten Häuser versetzen lassen sonst droht größte Gefahr…

Immer wieder rauf und runter an der Skyline entlang, bissel aufs Meer fliegen, spielen, zurück an die Kante und wieder steigen… das Spiel geht so lange wir wollen bzw. Lust haben, denn der Wind bläst hier dauerhaft laminar bis in die Nacht…

Der Flug wird (m)ein einmaliges Erlebnis und sorgt dafür, dass ich nun endgültig im Flieger- bzw. Urlaubsparadies angekommen bin.

Task erfüllt…, Mission completed… 

An Tag 11 befliegen wir wieder den Praia Brava und soaren erneut so lange bis keiner mehr Lust zum Fliegen hat. Bei mir werden es knappe 3 Stunden werden… genug Zeit um im laminaren Aufwind mehrmals das Flieger-Standardprogramm durchzuspielen, Ohren anlegen, Nicken, Rollen, Klapper links/rechts, bis hin zu leichtem Wing-overn und Spiralen (natürlich der geringen Flughöhe angepasst!)… die laminaren und gleichbleibenden Soaringbedingungen hier machen wirklich Spaß und verleiten zu immer neuen Experimenten. G´schmeidige Beats aus dem MP3-Player geben meinem Tänzchen noch den nötigen Drive… yeehaaw, das macht echt Laune hier!!!

Eigentlich schon satt vom Fliegen entschließen sich einige Flieger am Abend dennoch zu einem einstündigen Soaringflug vom Hausberg direkt vor dem Hotel. Kurz vor halb 8 landen wir und es geht direkt weiter zum Abendessen…

Tag 12 wird der Tag unserer Weiterreise in Richtung Urubici, aber mei… wenn die Wetterlage passt, warum sollten wir dann nicht zum Fliegen gehen??? Also erneut rauf zum Praia Brava und Fliegen bis sich alle satt geflogen haben! Bei mir werden es einschließlich kurzer Toplandung am Startplatz (Toilettenpause) exakt 4 Stunden werden… dann war der MP3-Player alle und es wurde so langsam Zeit zur Weiterfahrt!!

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(3 Stimmen)
Letzte Änderung am Freitag, 21 Dezember 2012 00:12
Markus

Zu meiner Beschreibung gehts hier...

http://www.frankengliders.de/index.php/markusx

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